Das Westerborkpad ist eine besondere Fernwanderung in den Niederlanden, die nicht nur Kilometer überbrückt, sondern vor allem Geschichte, Erinnerung und Emotion verbindet. Diese Route, auch bekannt als LAW 15, führt von der Hollandsche Schouwburg in Amsterdam zum ehemaligen Lager Westerbork in Hooghalen. Insgesamt beträgt die Strecke etwa 340 Kilometer, und die Etappen können so eingeteilt werden, wie es einem selbst angenehm ist.
Für mich war das Gehen dieses Pfades eine Reise voller Eindrücke. Nicht nur, weil es eine Wanderung durch Stadt und Natur ist, sondern vor allem wegen der Geschichten, die unterwegs „erzählt“ werden.
Eine Wanderung mit Bedeutung
Während man sich bei vielen Wanderungen vor allem auf Natur und Ruhe konzentriert, zwingt das Westerborkpad dazu, innezuhalten – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. Die Route folgt grob dem Weg, den jüdische Bürger gezwungenermaßen auf dem Weg nach Lager Westerbork nahmen. Entlang des Pfades trifft man auf Gedenkstätten, Denkmäler, jüdische Friedhöfe und (ehemalige) Synagogen.
Besonders zugänglich wird der Weg dadurch, dass er teilweise über befestigte Wege und Radwege führt. Diese Wahl wurde getroffen, weil das Ziel des Wanderpfades ist, nie mehr als 5 Kilometer von der ursprünglichen Route abzuweichen. Das bedeutet allerdings auch, dass man manchmal auf weniger schönen Wegen oder durch Industriegebiete wandert.
All dies macht die Route auch für Wanderer mit Rollator oder Rollstuhl geeignet. Der Weg ist mit rot-weißen LAW-Markierungen gekennzeichnet und wird vom Symbol des Stacheldrahts begleitet – eine subtile, aber kraftvolle Erinnerung an das Thema dieser Route.
Einweg
In den Niederlanden sind Fernwanderwege (LAW) in beide Richtungen markiert. Diese spezielle Fernwanderung ist jedoch nur von Amsterdam nach Westerbork markiert.
Warum? Weil die Menschen damals nur nach Westerbork gingen, war die Wahrscheinlichkeit, die Strecke in umgekehrter Richtung zu gehen, gering. Daher ist dieser Wanderpfad einseitig markiert, was ihn besonders macht.
Meine Wanderung entlang des Westerborkpads
Ich bin alle Etappen des Westerborkpads gegangen, jede mit ihrem eigenen Charakter und ihrer eigenen Geschichte. Einige meiner Erfahrungen möchte ich gerne teilen:
Amsterdam – die Prolog-Etappe
Während des Prologs des Westerborkpads wandert man vom Hauptbahnhof Amsterdam zur Hollandsche Schouwburg. Diese Etappe von etwa 6,7 Kilometern führt entlang historischer Orte wie dem ehemaligen jüdischen Viertel, dem Anne-Frank-Haus und dem Jüdischen Museum.
Die Hollandsche Schouwburg, damals Sammelstelle für Juden vor der Deportation, dient heute als Gedenkstätte. Dieser Prolog bietet eine eindringliche Einführung in die Geschichte und lädt zur Reflexion über die Auswirkungen des Krieges auf die jüdische Gemeinschaft in Amsterdam ein.
Die Etappe ist „nur“ 6,7 Kilometer lang, aber ich konnte dort einen ganzen Tag verbringen. Nehmen Sie sich Zeit, erleben und fühlen Sie. Neben allen Eindrücken des Zweiten Weltkriegs ist Amsterdam natürlich auch einfach eine großartige Stadt mit viel zu sehen, riechen und erfahren.
Muiden - Naarden-Bussum
Diese Etappe begann am historischen Muiderslot, ein wunderschöner Startpunkt, der im Kontrast zum Thema der Route steht. Die Wanderung führte am jüdischen Friedhof in Muiderberg vorbei. Hier spürte ich tiefen Respekt für den Ort und die Menschen, die hier begraben sind. Die Stille war fast greifbar.
Kamp Amersfoort
Auf diesem Wanderweg passiert man auch das Lager Amersfoort. Wenn man die Etappen einteilt, sollte man auf jeden Fall Zeit für einen Besuch dieses Lagers einplanen. 2020 wurde es restauriert. Ich besuchte es 2024 zum zweiten Mal. Das Lager und alles drumherum ist einen Besuch wert.
Nijkerk - Ermelo
Unterwegs nach Ermelo passierte ich einen Ort, an dem einst eine Synagoge stand, mit einer Gedenktafel, die daran erinnert. In Nijkerk besuchte ich das Museum, in dem die Kriegsgeschichte der Stadt durch persönliche Geschichten und Objekte greifbar wird. Das verlieh der Wanderung zusätzliche Tiefe.
Ermelo - Nunspeet
Diese Etappe führte unter anderem am jüdischen Friedhof in Harderwijk vorbei. Ich bemerkte, wie der Weg einen immer wieder kurz innehalten lässt – bei einer Geschichte, einem Namen, einer Familie. Später wanderte ich über das Hulshorsterzand, auch „die Wüste der Veluwe“ genannt. Die weiten Sandflächen vermittelten ein ganz anderes Gefühl: Natur in voller Pracht, und doch ein Ort, um über die Vergangenheit nachzudenken.
Berkum - Hoogeveen
Es war ein warmer Wandertag, als ich von Berkum Richtung Hoogeveen ging. In Staphorst besuchte ich das örtliche Museum, das viel über die lokale Kultur und darüber erzählte, wie diese Gemeinschaft mit dem Krieg umging. Die traditionelle Kleidung, Gebrauchsgegenstände und Geschichten gaben mir ein vollständigeres Bild des damaligen Alltags.
Hoogeveen - Lager Westerbork
Die letzten Etappen Richtung Lager Westerbork waren emotional. Die Landschaft veränderte sich langsam, und ich spürte, dass ich dem Endpunkt näherkam. Entlang des Oranjekanals wanderte ich Richtung Hooghalen. Und dann erreichten wir schließlich das Ende des Wanderwegs. Zuerst besuchten wir das Erinnerungszentrum, dann das Lager.
Das Museum Kamp Westerbork befindet sich in der Nähe des ehemaligen Durchgangslagers in Hooghalen, Drenthe. Während des Zweiten Weltkriegs wurden hier über 100.000 Juden, Roma und Sinti gesammelt, bevor sie in Konzentrations- und Vernichtungslager wie Auschwitz und Sobibor deportiert wurden. Im Erinnerungszentrum erhält man Einblicke in das tägliche Leben im Lager durch persönliche Geschichten, Fotos, Briefe und Objekte. Draußen auf dem Gelände sind die Spuren des Lagers sichtbar, wie die ursprünglichen Eisenbahnschienen, das Denkmal mit 102.000 Steinen und die Fundamente der Baracken. Das Museum bietet einen beeindruckenden und respektvollen Ort, um an diese dunkle Seite der Geschichte zu erinnern und zu lernen.
Die alten Eisenbahnschienen, die Fundamente der Baracken, das Denkmal der 102.000 Steine – es berührte mich tief. Mehr über das Lager zu schreiben, fällt schwer, die Worte fehlen. Bilder können nicht alles sagen, aber ich „erzähle“ den Rest unten in Bildern.
Ich schließe die Wanderung und diese Erfahrung mit einem Gefühl von Stille, Ehrfurcht und Gedenken ab.
Warum das Westerborkpad wandern?
Dieser Wanderweg ist keine gewöhnliche Tour. Es ist ein Pfad, der zur Besinnung einlädt. Ob man sich für Geschichte interessiert, während der Wanderung Tiefe sucht oder eine persönliche Verbindung zu den Geschichten von damals hat – das Westerborkpad bietet etwas Einzigartiges.
Die Kombination aus Kulturgeschichte, Natur und persönlichen Geschichten macht diesen Pfad unvergesslich. Es ist auch eine Wanderung, bei der man lernt, dass Gedenken nicht nur an einem Tag im Jahr stattfindet, sondern in das alltägliche Leben – selbst beim Wandern – integriert werden kann.
Praktische Tipps
- Wanderführer: Der Wanderführer (auf Niederländisch) des Westerborkpads ist sehr zu empfehlen. Er enthält nicht nur Karten der Route, sondern auch Hintergrundinformationen zu den Gedenkstätten.
- Ruhemomente: Planen Sie ausreichend Zeit für Ruhe- und Reflexionsmomente ein. Der Pfad fordert gelegentlich zum Innehalten auf – und das meine ich nicht nur körperlich.
- Wanderpin als Erinnerung: Als Erinnerung an diese besondere Wanderung habe ich selbst einen Pin entworfen, erhältlich über diese Website. Ein kleines Symbol, aber von großer Bedeutung.
- Wandelnet: Hier finden Sie die GPS-Route, die neuesten Anpassungen und können den Wanderführer bestellen.
Ein Pfad, der bleibt
Das Westerborkpad hat mich nicht nur Kilometer machen lassen, sondern vor allem berührt und inspiriert. Durch die Natur, durch die Geschichte, durch die Geschichten der Menschen. Jeder Schritt war mit der Vergangenheit verbunden und gab gleichzeitig dem Jetzt Bedeutung.
Ob man nun den gesamten Weg wandert oder nur einige Etappen – ich kann es jedem empfehlen. Es ist eine Tour, die durch Zeit und Raum führt und die man nicht so leicht vergisst.
Willst du sie auch wandern?
🗺️ GPS- und Routeninformationen: Westerborkpad. (Diese Website ist auf Niederländisch)
Gut zu wissen
Unsere Fotos
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